AnkerWiki  Steinbaukastenmodelle von Anker

Der Steinbaukasten für Kinder und Erwachsene


Ankerfreund Falk Gundel hat das Modell

Abtei an der Schlucht

für Kasten NF 20 entworfen und hier in AnkerWiki den

Ankerfreunden zum Nachbauen zur Verfügung gestellt.


Text und Bilder sind von Falk Gundel

Abtei an der Schlucht

 

Die Entwicklung des Projektes

 

Hier stelle ich ein sehr üppiges Ankermodell vor, das - überraschend - allein mit den Steinen des Kastens 20 errichtet werden kann. Klosteranlagen sind wie Burgen und Schlösser stets dankbare Anker-Bauobjekte. Sie eignen sich hervorragend, eine vorgegebene Menge an Ankersteinen auszureizen.

 

Bei vielen Baudenkmälern kann man beobachten, dass in der wechselvollen Geschichte durch Um- und Anbauten im Stile des Zeitgeschmacks verschiedene Baustile vermischt worden sind. Das kommt der Tatsache sehr entgegen, dass die Ankerstein-Baukästen Bogen-Steine zur Realisierung verschiedener Baustile enthalten. Auch bei diesem Bau-Vorschlag findet man eine Mischung gotischer und romanischer Elemente, so dass ein romantischer Gesamteindruck entsteht.

 

Der Ausgangspunkt für die Entwicklung dieses Modells war der Plan, eine Gewölbe-Brücke aus normalen Quadersteinen - hier sind es die Steine 3g -  zu konstruieren. Mit früheren Entwürfen habe ich schon einige Erfahrungen für ein solches Vorhaben gesammelt. Wenn man die Spalten zwischen den Gewölbesteinen mit kleinen Steinen mit einem Querschnitt von 1/4 mal 1/4 Stein (zum Beispiel #79) ausfüllt, ergibt sich eine Spannweite von etwa sechs Steinen - bemerkenswert weiter als die Distanz, die man mit den normalen Bogensteinen überbrücken kann. Für dieses Bogen-Projekt muss natürlich eine passende Szenerie geschaffen werden. Brauchbar für diesen Plan erschien uns (mein Ankerfreund Andreas Abel hat in dieser frühen Phase der Entwicklung mit mir um eine geeignete Lösung gerungen) die Vorstellung, dass die Brücke als Zugang zu einem Bauwerk über eine Schlucht führt. Die Tiefe entsteht zwischen einem Plateau aus Anker-Kisten und auf der anderen Seite durch eine Felsenklippe aus Ankersteinen. Für die Realisierung der Klippe bieten sich die Steine an, für die es zumeist schwierig ist, eine andere nützliche Verwendung zu finden (runde Dachsteine, Säulen).

 

Aus der Geometrie der Brücke ließ sich ableiten, dass für das Plateau mindestens drei Kisten übereinander gestapelt werden müssen. Auf der anderen Seite der Schlucht muss die Klippe so gestaltet sein, dass eine Treppe mit ungefähr 18 Stufen untergebracht werden kann. Auf dem Platz auf den Kisten könnte eine Klosteranlage aufgebaut werden, denn Klöster befinden sich nicht selten in abgeschiedenen Regionen. Damit der Platz auf dem Berg nicht zu eng wird, bot sich für die oberste Kiste ein Kasten 20A an, der als erster in Reihe der Ankerkästen etwas größere Außenmaße (15 mal 11 Steine) hat. Die Entscheidung, das Modell ausschließlich mit dem Material des Kastens 20 zu konstruieren, begründete sich mit der Absicht, die Bauwerksteile neben der Brücke so zurückhaltend wie möglich zu konstruieren. Um für das Plateau den nötigen Platz zu schaffen, war allerdings eine größere Kiste nötig, nämlich die auf den Kasten 20 folgende 20A. Leider ist damit die paradoxe Situation entstanden, dass das Modell zwar mit den Steinen des Baukastens 20 gebaut werden kann, aber zusätzlich noch eine Kiste 20A benötigt wird, die ja bekanntlich zum Baukasten 22 führt.

 

Warum heißt das Modell nicht 'Kloster an der Schlucht'? Klöster mit einem Abt als Vorsteher haben eine hervorgehobene Stellung und sie werden als Abtei bezeichnet. Ich habe meinem Modell einen Abt zugewiesen, womit hinreichend erläutert ist, wie der Name des Modells zustande gekommen ist.

 

Hinweise für den Aufbau

 

Der Aufbau beginnt mit dem Berg aus Ankerstein-Kisten. Dazu müssen zwei Kisten in der Größe 6 (13 x 9 Steine Außenmaß) und eine Kiste in der Größe 20A (15 x 11 Steine) bereit gestellt werden. Wer außer den Kästen, die zum Kasten 20 gehören, genügend viele weitere Kästen in den erforderlichen Größen besitzt, hat den Vorteil, dass er es sich ersparen kann, die drei Kästen zuvor zu entleeren. Gefüllte Kästen liegen aufgrund ihres Gewichtes besser aufeinander und lassen sich auch einfacher justieren.

 

Diese drei nun bereit stehenden Kisten werden übereinander geschichtet. Wenn bei anderen Modellen die Kisten terrassenförmig angeordnet sind, ist es hier genau umgekehrt. Die beiden kleineren Kästen werden zuunterst bündig übereinander gestellt, der größere wird mit dem Boden nach oben darüber gestülpt. Bei den Kästen neuerer Produktion erreicht der Kastenstapel auf diese Weise fast genau eine Höhe von 12,5 cm, was der Höhe von fünf vollen Lagen entspricht. Mit Pappstreifen von etwa 1 mm Dicke wird die Sollhöhe genau einjustiert. Man beachte, dass der Überstand des oberen Kastens nicht allseitig gleich ist. Vorn beträgt die Auskragung 5/4 Steine, hinten 3/4, rechts 1/2 und links 3/2 Steine (siehe Baupläne - Lage 4). Was weder aus den Ansichten noch aus den Bauplänen ersichtlich ist: Die Verblendung der beiden unteren Kästen mit großen Brücken-Steinen reicht in der Höhe nicht ganz bis zur Kante des oberen Kastens. Diese Kaschierung hat keine tragende Funktion, sie dient nur der teilweisen Verkleidung der Holzkisten.

 

Noch ehe mit dem Aufbau des Brückenbogens angefangen werden kann, muss das Felsenriff auf der rechten Seite der Schlucht bis auf eine Höhe von mindestens zwei Lagen aufgebaut werden. Mit diesem Gewicht kann der vom Gewölbe der Brücke ausgeübte Seitendruck aufgefangen werden. Im Felsenriff sind die großen Säulen verbaut, die an sechskantigen Basaltsäulen erinnern sollen. In Sachsen und Böhmen treten solche Säulen an Basalt-Kuppen häufig zutage (zum Beispiel in Stolpen, wo die Gräfin Cosel, eine Mätresse August des Starken, Jahrzehnte in der Burg eingesperrt war).

 

Der Abstand zwischen den beiden Widerlagern der Brücke beträgt 14,2 cm, was etwa einer Länge von 5 3/4 Steinen entspricht. Als vorbereitende Arbeit für den Aufbau des Brückenbogens ist es unerlässlich, einen Pappstreifen aus sehr stabilem Material (zum Beispiel aus der Rückwand von Bildkalendern) in der Größe 22 cm x 3,75 cm zu besorgen. Dieser Karton wird vorsichtig gebogen, ohne dass Knicke entstehen, bis die kreisrunde Form des Brückenbogens mit einem Durchmesser von etwa 14 cm erreicht ist. Dieser Papp-Bogen dient als Lehrgerüst für den Brückenbau. Beidseitig werden zum Aufbau des Bogens noch Steine von einem Achtel Stärke (#86) untergelegt. Die Dicke dieser Unterlagen ist bei der Angabe der notwendigen Länge des Pappstreifens mit eingerechnet. Durch die Entfernung der Unterlegesteine kann das Gerüst nach der Fertigstellung des Brückenbogens vorsichtig herausgezogen werden. Außer dem Pappstreifen sind noch 9 Plättchen aus gelbem, feinkörnigen dünnen Sandpapier in der Größe 4,8 cm x 3,5 cm notwendig. Diese Plättchen werden mit der rauen Seite nach außen mittig gefaltet. Ein Schenkel wird mit einer Breite von 6 mm nach innen abgeknickt. Diese Sandpapier-Hilfen sind der 'Mörtel' für die Bogen-Steine. Sie erleichtern die Aufbau-Arbeit ganz wesentlich, weil sich sonst die Quadersteine an der unteren Kante nur punktuell berühren würden, was gern zu kleinen Verwerfungen führt. Noch ehe die Brücke mit ihrem Überbau komplettiert wird, empfiehlt es sich, das Riff mit der ausladenden Treppenanlage zu vervollständigen. Damit wird das Widerlager endgültig stabilisiert. Als letzte und krönende Maßnahme kann die stützende Pappe entfernt werden. Es ist erstaunlich, wie stabil eine derart konstruierte Bogenbrücke steht.

 

 

Nach der Aufregung beim Brückenbau kann nun die Errichtung der zur Klosteranlage gehörenden Bauten auf dem Plateau in Angriff genommen werden. Das Haupthaus, in dem die Mönche wohnen, arbeiten und sich versammeln, ist als zweiflügeliges Gebäude ausgeführt. Die Dachfläche ist so ausgeklügelt, dass alle verfügbaren 'normalen' Dachsteine verbraucht werden. Das Innere des Daches ist so hohl wie möglich konstruiert, damit nicht zu viel für andere Zwecke noch nutzbares Material verloren geht. Besonders aufwändig gestaltet sind die vier Ziergiebel an diesem Gebäude.

 

Die Dominante des Klosters ist zweifellos der schlanke Glockenturm, der auch als Wachturm fungiert. Der filigrane Turmkopf aus vielen kleinen Steinen und Brücken ist die Herausforderung beim Aufbau des Modells. Geduld und eine ruhige Hand sind gefragt. In die Turmhaube sind vier Ecktürme integriert. Die Konstruktion des Turmdaches stellt sicherlich das Maximum dessen dar, was man aus dem Vorrat der Turm-Dachsteinen im Baukasten 20 mit 1/8 ‑ Neigung machen kann. Diese besondere Gestaltung von Turmkopf und Turmhaube habe ich nicht neu erfunden, sondern von mir selbst von meinem Märchenschloss 20 abgekupfert.

 

Zu einem Kloster gehört natürlich auch eine Klosterkirche. Aus Platz- und Materialnot ist das fein gegliederte Kirchlein nicht sehr weiträumig ausgefallen. Letztendlich wird die Klosteranlage noch durch ein Eingangsportal mit einem kleineren Turm nach außen abgeschirmt. Typisch für eine Klosteranlage wäre noch ein Kreuzgang. Doch dazu reichte weder der Platz noch das Material. Die Mönche werden sicherlich auch mit dem kleinen auf dem Berg-Plateau frei gebliebenen Klosterhof zurecht kommen.